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Blubb!  (Ganz alltäglich) Verfasst: Montag, den 22. Februar 2010 21:20

Heute ist ein Blubb-Tag. Schon die vergangenen Wochen waren angereichert mit Blubb-Tagen. Voller Momente, in denen einem nichts anderes mehr zu sagen einfällt, als "Blubb". In denen man sich denkt, alle könnten einem den Buckel rauf und wieder runter rutschen und das so oft wiederholen, bis das Rückgrat gebrochen ist oder es ihnen langweilig wird. Scheinbar ist Buckelrutschen aber keineswegs uninteressant. Und mein Rückgrat scheint kräftiger zu sein, als meine Statur den Anschein hat. Und was mich außerdem gerade nervt, sind diese Mädels, die rechts neben meinem Blog-Eintragungsfeld ihre Möpse in mein Gesicht zu stecken versuchen. Wären das attraktive Kerle (ohne Möpse bitte, eher Sixpacks erwünscht), sähe die Sache wohl anders aus. Aber ehrlich gesagt, scheint mir alleine die Sachlage erbärmlich, dass es Menschen gibt, die so etwas tatsächlich für nötig erachten. Und wenn ich jetzt so ein Mädel anklicke, dann werde ich auf eine Seite verbunden, die mir verspricht, meinen Wunsch-Single kennenzulernen. Trotzdem sehe ich nur ziemlich viele tiefe Ausschnitte und nicht einen einzigen Mann (ob sexy oder nicht), der sich auf gleiche Weise räkelnd im Bild darstellt. Also weg mit dem Mist, auch deshalb weil "hazelnut" ein ausgesprochen dämlicher Nickname ist.

Jetzt sitze ich hier und mache ein Pause damit, die Kundenzeitschrift Korrektur zu lesen (Nachdem sie schon über 20x Korrektur gelesen wurde, finde ich auch keine Fehler mehr. Ausgemerzt.). Gestern habe ich eine Auktion für einen antiken Stuhl verloren, weil zwei Stunden vor Ende so ein Antiquitätenkenner den Preis dermaßen in die Höhe getrieben hat, dass mein Höchstgebot am Ende wie ein erbärmlicher Versuch aussah. Einschreiten konnte ich auch nicht, weil ich nicht daheim war. Gut, das hätte ich auch nicht vorgehabt, da es ein Geburtstagsgeschenk hätte werden sollen und wir drei noch ungefähr vier Mitschenker auf die Schnelle hätten finden müssen, um den Stuhl bezahlen zu können. Aber darum geht es ja auch gar nicht. Blubb. Es geht nämlich um das Prinzip, dass wir eine super Idee haben und die Umsetzung nun erschwert wird bzw. vielleicht gar nicht mehr möglich ist. So. Und jetzt sitze ich hier und warte darauf, dass mein Chef anruft und die Kundenzeitschrift frei gibt oder zumindest letzte Korrekturen durchgibt. Das kam nur dadurch zu Stande, dass er unseren Termin heute um halb 3 nicht wahrgenommen hat und später auch nicht wirklich Zeit mehr hatte. Doch die Druckerei erwartet mich morgen früh mit den Druckdaten. Die gibt es aber nicht ohne Freigabe. Und genau die fehlt mir noch. Blubb.

Und überhaupt... wieso meinen Männer immer, uns Frauen für kompliziert zu halten, wenn es um Fotos geht. Die Männer sind es, die da kompliziert sind. Man macht eine Fotoreihe von insgesamt 73 Bildern und am Ende hat man gar keines, weil sich die Herrschaften einfach nicht darauf gefallen. Aber dann sind sie nicht mehr da, haben Seminare oder Urlaub oder ähnliches. Beschweren sich aber, dass sie einfach nicht wie ein Honigkuchenpferd grinsen, obwohl das Foto das Gegenteil beweist. Ist halt nun mal so. Ich gefalle mir auf keinem Bild, aber ich mache das Beste draus und entscheide mich für eines. Nicht, um diese Entscheidung zwei Tage später wieder zu revidieren. Blubb.

So, ich gönne mir jetzt eine Zigarette. Die hab ich mir verdient. Blubb.

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Rendezvous vs. Couch  (Erlebt) Verfasst: Mittwoch, den 13. Januar 2010 23:08

Es gibt ja viele Arten, seinen Abend zu verbringen. Nutzbringend, gemütlich, amüsant, aufregend. Oder aber gelangweilt. Den Montag durfte ich gemütlich zu Ende bringen. Eine hübsche DVD, ein langes Telefonat, ein paar Buchkapitel und erholsamer Schlaf. Der Dienstag war eher nutzbringend gefüllt mit einem Vereinstreffen, in dem produktiv Pläne geschmiedet, Entscheidungen getroffen und fröhlich geplänkelt wurde. Und heute der Mittwoch.

Er begann für einen Morgen ziemlich gut und voller Erwartungen. Dazwischen acht Stunden des arbeitsreichen Brötchen Verdienens. Dann das Date. Die Geschichte eines Mannes mit dessen ersten Eindruck ich so dermaßen völlig komplett daneben lag, wie es mir noch nie passiert ist. Vielleicht war auch die Aufregung schuld, dass nichts mehr vom Humor und Charme des ersten Aufeinanderstoßens zu merken war. Oder aber er hat seinen eineiigen Zwillingsbruder geschickt, der ihm charakterlich um 180 Grad fern ist. Aber vermutlich ist es einfach nur die typische Linie Liebespech, verbunden mit dem durch bösartige Aliens in mir implantierten Trottelmagnet.

Woran frau/man absolut sicher merkt, dass eine Verbindung keine Zukunft hätte? Wenn man darüber nachdenkt, dass eine Runde WoW zocken gerade echt lustig wäre oder sich fragt, was man gerade im anspruchsvollen TV-Programm verpasst. Beide Themen geisterten heute Abend mehrfach durch mein Gehirn. Immerhin war das Essen lecker.

Ich habe heute einige interessante Dinge über mich erfahren: Zum einen, dass ich nicht witzig bin. Zum anderen, dass ich nicht in der Lage bin ein Gespräch vom Berufsleben in andere Bahnen zu lenken. Nun weiß ich so ziemlich alles über den schulischen, wie beruflichen Werdegang des jungen Mannes. Außerdem kenne seine Zukunftspläne und -wünsche was den Beruf angeht. Außerdem kann ich mit Fug und Recht behaupten, dass er sehr zufrieden mit seiner momentanen beruflichen Situation ist. Nachdem ich diese Dinge quasi in einer Dauerschleife gehört habe, hat sich das im mein Kurzzeitgedächtnis eingebrannt. Zwischendurch hatte ich fast schon das Gefühl, ich würde überlegen, ihn in meinem nicht existenten Unternehmen einzustellen. Loyal und motiviert wäre er auf jeden Fall. Dann brauche ich jetzt eigentlich nur noch eine Firma in der Branche, in der er gelernt hat. Es hatte Ähnlichkeit mit dem Film "Und täglich grüßt das Murmeltier". Der Ausgangspunkt war immer ein anderer und doch landeten wir immer beim Thema Beruf. Mein Fazit dazu ist, dass der junge Mann sich in einem Vorstellungsgespräch sehr gut verkaufen kann, aber ein Problem damit hat, ein solches von einem Rendezvous zu unterscheiden. Und dass er (k)einen Humor hat, der mit dem meinen vergleichbar ist.

Ein ähnlich verlaufendes Date hatte ich einst schon einmal. Da erzählte mir der Kerl, den ich im dunklen Metal-Outfit bei einem Konzert kennenlernte und der seltsamerweise zu unserem Treffen im quietscheorange-blümchengemusterten Hawaihemd erschien, sehr euphorisch von der Gartenarbeit. Ebenfalls ein Punkt, den man im Gesprächsverlauf durchaus anschneiden kann. Dabei sollte es aber bleiben. Ich bin mir nicht ganz sicher, wie man(n) darauf kommt, mich würde es so außerordentlich interessieren, wie man gegen Unkraut angeht. Oder wie man einen Himbeerstrauch richtig pflegt. Sämtliche Themenwechsel, die ich kreativ einbrachte wurden kurz abgehakt. Schließlich beschloss ich, mir den Vortrag einfach zu Ende anzuhören, um dann den Abschluss des Dates in die Wege zu leiten und mich mit einer Freundin an einem leckeren Eisbecher zu verlustieren. Mein Schweigen wurde von dem Möchtegern-Hawaianer bemerkt, der tatsächlich Gegenmaßnahmen einleitete. Die lautete so: "Was hast du eigentich für Hobbies?" Der Eisbecher Hawai war ungeheuer lecker.

Gibt es eigentlich einen Arzt, der auf Alientechnologie und die Entfernung von unfreiwillig implantierten Trottelmagneten spezialisiert ist? Über einen Kontakt wäre ich außerordentlich glücklich.

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Warum Männer keine Weihnachtsmützen tragen sollten  (Verkehr(te) Welt) Verfasst: Dienstag, den 29. Dezember 2009 23:50

Die Ampel wird grün und schlingernd versuchen der Kleinwagen neben mir und ich in meinem Kleinstwagen auf schneebedeckter Straße den Startwettbewerb zu gewinnen. Heckantrieb ist ungünstig, aber immerhin kann ich meine Spur halten. Aus Angst vor einem Blechschaden ziehe ich den kürzeren. So ein Räumfahrzeug vom Winterdienst wäre jetzt eine feine Sache. Aber die scheinen sich noch im Weihnachtsurlaub zu befinden. Seit über zwei Stunden schneit es nun schon, als wolle Petrus jeden Farbfleck auf unserem Breitengraden auslöschen. Aber das ist noch lange kein Grund, die Schneepflüge auszusenden. Es handelt sich hier ja auch nur um die Hauptverkehrsstraße zu Zeiten der auslaufenden Rush hour. Und wer nutzt die denn bitteschön zwischen den Feiertagen? Da arbeitet doch niemand. Da sitzt man doch gemütlich am Esstisch, vertilgt sämtliche Reste der üppigen Mahlzeiten der vergangenen Tage und tätschelt seinen Ranzen in der Hoffnung, so ein paar Pfunde zu verlieren. Deshalb ist das Straßen räumen auch kompletter Humbug, weshalb man das einfach unterlässt.

Meinereiner ist also selbst schuld, dass ich mich auf die Fahrbahn wage, um nach der Arbeit der Vorstandssitzung des Vereins beizuwohnen, der die Angewohnheit hat, bei schlechtestens Wetterbedingungen seine Treffen abzuhalten. Allerdings muss ich schon sagen, dass Schrittgeschwindigkeit bei einem Allradfahrzeug der robusten Sorte ein wenig übertrieben vorsichtig ist. Es sei denn, dort sind noch Sommerreifen aufgezogen. Das wiederum wäre reichlich dumm. Erstaunlich, dass der oder die Fahrerin es irgendwie gar nicht auf sich sitzen lassen kann, wenn ein Miniatur-Zweisitzer mit 50 km/h überholt. Eins, zwei, drei fressen meine Scheibenwischer Schneematsch und der Geländewagen rast jetzt mit eindeutig überhöhter Geschwindigkeit an mir vorbei. Ich beobachte kopfschüttelnd, wie gleich darauf die Bremslichter aufleuchten, das Auto leicht ins Schlingern gerät, der Blinker gesetzt wird und die Ausfahrt wieder in gemäßigter Schrittgeschwindigkeit genommen wird. "Herr, wirf Hirn vom Himmel..." Nachdem die Ehre eines anderen gerettet ist, tuckere ich weiter in Richtung Autobahn. Ein Lkw überholt mich. Seltsamerweise lässt mich das nicht in Fluchen ausbrechen. Gröhlend zu guter Musik setze ich meinen Weg fort.

Weit vor mir stößt ein sportlich-schnittiger Roadster auf die Bundesstraße. Als ich aufhole, schiebe ich sicherheitshalber kurz meine Brille von der Nase und zurück. Meine sehgeschwächten Äuglein haben sich nicht geirrt. Ich verfolge ein neiderfüllendes Cabriolet. In meinen Gehörgängen nistet sich ein imaginäres wonniges Motorenblubbern der feinsten, getunten Sorte ein. Der stolze Besitzer dieses rassigen, roten Wagens darf dieses Geschoss reinen Gewissens zur Schau stellen. Doch etwas übertrieben scheint mir das offene Verdeck. Denn Petrus versucht nach wie vor, eine weiße Schneedecke über die Farbtupfer unserer Lande zu legen. Um dem allem eine Krone aufzusetzen, hat der Fahrer eine weihnachtliche Kopfbedeckung gewählt. Schließlich will man sich ja keineswegs eine Erkältung einfangen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass dieses Gefährt mit einer Nackenheizung ausgestattet ist. Trotzdem bin ich kurzfristig nicht in der Lage, den Song in fälschester Stimmlage mitzusingen. Mein Unterkiefer hängt eine Etage tiefer.

Und dann fressen meine Scheibenwischer eine Weihnachtsmannzipfelmütze. Das Verdeck des rassigen, roten Roadster vor mir schließt sich langsam.

Guten Start ins neue Jahrzehnt!

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Drei Weiber auf grosser Tour - Kamillentee mit Wodka  (Schweden-Trip) Verfasst: Dienstag, den 03. November 2009 22:26

Der sympathische Hochseeangler hat uns belogen und betrogen. Glaubwürdig versicherte er uns, die desaströse Straße würde bald in eine ordentliche übergehen. Jetzt geht das schon den ganzen Nachmittag drohend im Hintergrund wartende Gewitter mit aller Macht und sintflutähnlichen Regenfällen hernieder, aber den Asphalt vermissen wir nach wie vor. Dabei wäre der bei diesen Wetterverhältnissen sehr hilfreich, um nicht im Geröllmatsch stecken zu bleiben. Etwa 20 Kilometer weiter gelangen wir tatsächlich auf eine geteerte Straße. Wir können unser Glück kaum fassen und plötzlich lässt auch das Unwetter nach. Murphy's Gesetz, keine Fragen offen. Laut Karte ist es jetzt nicht mehr weit bis zum nächsten Campingplatz. Die Dämmerung geht schon langsam in die Dunkelheit über und ich verspüre Hunger. Leicht verwundert höre ich, wie es J. und U. ebenso geht. Dass die beiden sich heute mal nicht mit Keksen und Äpfeln satt gegessen haben (,wie auch immer das funktioniert)?  

Es ist halb zwölf in der Nacht, als wir vor der verschlossenen Schranke des Campingplatzes stehen. Irgendwelche Kinder spielen Sandmännchen-entzugsgeschädigt "Vor's-Auto-laufen" und wir ignorieren sehr gekonnt das Schild, auf welchem Öffnungszeiten von bis 23 Uhr stehen. Unseren Wagen lassen wir vor der Schranke stehen und suchen die Anmeldung. Tatsächlich finden wir diese nach einigen Fehlschlägen auch noch besetzt. Erfreut bestürmen wir die leicht genervt wirkende junge Frau am Tresen. Schnell haben wir alle Unklarheiten beseitigt, erhalten einen Lageplan und kehren zurück zum Auto, wo sich die Schranke für uns öffnet. Wir suchen nach einem geeigneten Zeltplatz, werden aber irgendwie enttäuscht. Etwas verwöhnt halten wir vergeblich nach einer lauschigen Ecke am nicht vorhandenen See Ausschau. Schließlich geben wir auf und parken auf der ausgewiesenen Zeltwiese. Aus dem Auto ausgestiegen attackieren uns sofort blutrünstige Mückenschwärme. Abwehrspray und -gel scheinen die Biester nur noch mehr zu entzücken. Mit ersten Regentropfen beginnen wir in der Dunkelheit mit dem Zeltaufbau, versuchen den Gaskocher für das Abendessen und Teewasser in Gang zu kriegen und haben für den Moment alles andere als gute Laune. Das Zelt steht, die Kamillenbeutel ziehen im heißen Wasser und wir beschließen, unser Mahl auf belegte Brote zu beschränken. Inzwischen regnet es sich ein, wir richten das Zelt ein und beziehen es mit Essen, Wodka, Tee und Karten. Im kuscheligen Kleinstzelt ist es eng, wir sind satt und haben den Alkohol schon ein paar Mal kreisen lassen. Unser Kartenspiel wird jäh unterbrochen, als irgendein seltsames Viech in einer Ecke zu summen und zu flattern anfängt. Von außen gesehen beult sich die Plane seltsam nach allen Seiten aus, man hört Geschimpfe, Fluchen und Gackern. Zwei Schlafsäcke sind leicht befeuchtet und das Insekt mitsamt dem Taschentuch, welches vermutlich sein Grab ist in die feuchte Nacht hinausbefördert. Sieg!

Weil meine Erkältung mich immer noch vom erholsamen Schlaf abhält, versuche ich mein Hausmittelchen für Genesungsschlaf zuzubereiten. In Ermangelung von Pfefferminz-Tee und Rum oder Kräuter-Schnaps muss es eben die Kombination Kamillen-Tee und Wodka tun. Diese Verbindung von hochprozentigem Alkohol und heilendem Tee sorgt für innere, sich ausbreitende Wärme, ein Gefühl von Angetrunkenheit und starke Müdigkeit - normalerweise. Danach gehe man zu Bett, kuschele sich warm ein und schlafe äußerst gut durch - normalerweise. Die etwas befremdliche Alternativ-Mischung dagegen schmeckt grausam und trägt mir Blicke von U. und J. ein, als fresse ich gerade ein Kind. Nachdem die beiden schon erste Anzeichen einer erfolgreichen Ansteckung durch mich verspüren, wollen auch sie den Trank versuchen. Nach wenigen Schlucken sind wir das, was der Leumund wohl als "total dicht" bezeichnen würde. Statt Müdigkeit entwickeln wir einen Heidenspaß, der den anderen Campern wohl kaum entgehen und uns Unverständnis, ja sogar Groll auf Grund der späten Stunde eintragen dürfte. Für den Moment ist uns das herzlich egal. Wir entwickeln die Idee, eine Zigarette rauchen zu wollen, ohne dafür hinaus in den Regen gehen zu müssen. Die Folge: Wie Schafe am Futtertrog kauern wir vor dem Zeltausgang, schubsen und drängeln uns im Versuch, das Gleichgewicht zu halten und tun vor lauter Gelächter kaum wirklich einen Zug. Am Ende riecht es im Innenraum trotzdem nach Rauch, was zusammen mit dem Mückenspray eine merkwürdige Geruchsvariation ergibt. Immerhin scheint genau das, die Blutsauger daraus fern zu halten.

Nach gleicher Manier versuchen wir uns nun die Zähne zu putzen, spucken bläulich-weißen Schaum direkt vor den Ausgang, feiern diesen großartigen dämlichen Schachzug wie einen besonders gut gelungenen Scherz und stellen fest, dass wir trotz allem nochmals hinaus müssen, um unsere Blasen zu leeren. Stolpernd, leicht wankend bahnen wir unseren Weg durch die unebene Wiese bis zu den Toiletten. Zurückgekehrt macht sich nun doch die Müdigkeit breit. Und endlich kehrt Stille ein auf dem ansonsten ruhigen Campingplatz. Niemand muss den Hühnern den Hals umdrehen.

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Drei Weiber auf grosser Tour - Strasse weg  (Schweden-Trip) Verfasst: Donnerstag, den 29. Oktober 2009 22:52

Eine Raupe landet unsanft halbseitig auf dem kalten Boden. Mit robbenartigen Bewegungen manövriert sie sich umständlich wieder zurück auf die Luftmatratze. Ich höre Kichern, denn die Raupe bin ich. Die Augen wollen sich nicht öffnen lassen. Aber um mich herum herrscht gerade so viel Bewegung. Flüstern, Rascheln, Türen klappen. Was ist denn nur los? Erst einmal kräftig schneuzen. Ich fühle mich so, wie ich mir verkatert sein vorstelle. Mistige Erkältung. Nur langsam begreife ich, wo ich bin, wer ich bin und was hier eigentlich gerade passiert. "Ich bin ein Stein." Manchmal macht mir mein Kopf wirklich Angst. Beruhigt stelle ich fest, dass J. neben mir auch noch nicht wirklich zu den Lebenden gehört. Nur K. und U. scheinen bereits äußerst aktiv zu sein. Der Abschied ist gekommen. U. bringt K. noch zur Uni, J. möchte mit und mich lässt man angesichts meines anscheinend erbärmlich wirkenden Wesen weiterschlafen. Verschlafen aber - hoffe ich zumindest - herzlich sage ich K. meinen Dank für die schöne Zeit und auf Wiedersehen. Nach kurzem Aufbruchstrubel herrscht Stille. Jetzt bin ich allerdings wach. Also wandere ich unter die Dusche, wecke meine Lebensgeister und beginne schon einmal damit, in dem kleinen Wohnheimzimmer klar Schiff zu machen.

Etwas bedröppelt kehren U. und J. von der Universität zurück. Wir lassen U. in Ruhe, halten ein schweigsames Frühstück ab, packen, putzen und hinterlassen K. ein kleines Dankeschön für ihre Gastfreundschaft. Dann brechen wir auf. Allerdings fahren wir nicht weit. Denn zum Abschluss möchten wir die Falun-Grube besichtigen, ein sehr bekanntes Kupferbergwerk, wo u.a. die Dispersionsfarbe Falunrot (Schwedenhäuschen-Rot) herstammt und das als Weltkulturerbe gilt. Die Führung haben J. und U. bereits gestern für uns bebucht. Deutschsprachig. Wir warten am Treffpunkt vor dem Grubeneingang, der durch ein Gestell mit einer Glocke gut erkennbar ist. Ein kompakter, freundlich wirkender älterer Herr nähert sich forschen Schrittes der weit verstreuten Besuchergruppe. Er trägt Gummistiefel und einen monströsen Schlapphut. Irgendwie erinnert er stark an eine überzeichnete Karikatur eines Herolds. Aber das ist wohl nur mein persönliches Empfinden, denn Herolde der damaligen Zeit trugen eindeutig eine andere Amtstracht. Munter läutet er die Glocke und schart seine kulturinteressierten Schäfchen um sich. Mit unschwer erkennbarem bayerischen Einschlag eröffnet er uns, was uns in den nächsten zwei Stunden erwarten wird. Er entstammt der Stadt Erding. Werbespotgeschädigt singt mein Marketingler-Köpfchen fröhlich "Erdinger Weißbier, däs is hoid a Proacht, heidiwitzgei, boim Doach un boi Noachd". Wie gesagt, manchmal macht er mir Angst.

Dann geht es ein grobe Holztreppe hinab in eine Art Garderobe, wo wir uns in orangefarbene Umhänge hüllen dürfen und sich jeder einen äußerst chicen Helm auf den Kopf setzt. Wir sehen großartig aus und schießen gleich ein paar Fotos. Der schwedische Erdinger beginnt mit seiner kurzweiligen, sehr informativen Führung. Erst genießen wir noch eine tolle Aussicht vom Förderturm hinab, bevor wir in die tiefschwarzen, feuchten Gefilde hinabsteigen. Bergwerke sind wirklich faszinierend und das Faluner hat außerdem noch eine tragisch-ironische Spezialität. Die Zeit ist auf interessante Art und Weise schnell vergangen. Im Anschluss sehen wir uns noch das Gelände, das Museum und Ausstellungen an. Irgendwann wird uns die Touristenmasche zuviel und wir steigen ins Auto auf der Suche nach einem neuen Abenteuer. Wir haben noch eine weite Etappe vor uns. Denn morgen wollen wir die Grenze nach Norwegen überschreiten.

Unsere Navigatorin hat ein Problem. Die Karte und die uns vorliegenden Straßen wollen nicht so recht übereinstimmen. So landen wir auf einer Umgehungsstraße. Eine, die nicht einmal ansatzweise fertiggestellt ist. Es gibt keine Sperrung, daher glauben wir getreu dem positiven Denken, dass die festgewalzte Straßenaufschüttung nur ein paar Kilometerchen anhalten wird, bevor sie in eine gespurte und geteerte Fläche übergeht. Nach nur 17 Kilometern sind wir vom Gegenteil überzeugt. Mit maximal 50 km/h steuert U. den alten Diesel über eine Art langgezogene Geröllhalde. Die Luft ist irgendwie dumpfig und bleiern. Die Wipfel der umliegenden Kieferwälder werden von dunkel drohenden, leicht schweflig angehauchten Wolken überschattet. Eine blendende Sonne lässt die Landschaft seltsam gruselig erscheinen. Zwischendurch kommen wir an kleinen Ansammlungen von Schwedenhäusern vorbei. Dazwischen ist das einzige Anzeichen von Zivilisation die Ahnung einer Straße. Die Blasen von J. und U. melden sich an. Schließlich bleibt keine andere Möglichkeit mehr, als die Option Wildpinkeln. Wir halten links am Straßenrand an einer mit geschlossener Schranke versehenen Einfahrt. Mich erinnert das in anderer Wetteratmosphäre vielleicht idyllisch wirkende Haus stark an den Film "Blair Witch Project" und andere Horrorstreifen. Dummerweise äußere ich das wohl auch laut, was mir unwirsches Zischen der beiden anderen einträgt. T'schuldigung. Wir steigen aus. Diesmal verschweige ich, dass diese unheimliche Stille mir gar nicht gefällt. Kein Laut. Einfach nichts. Normalerweise sollten Vögel zwitschern, Eichhörnchen keckern oder sonst etwas. So ruhig ist kein Wald. Gruselig. Ich vertrete mir die Beine, während die zwei sich zaghaft in das nicht vorhandene Dickicht schlagen. Scherzhaft versuche ich die gedrückte Stimmung mit Lautkennzeichen aufzulockern, die beide mit "Piep" erwidern. Seltsam eilig kehren beide zum Auto zurück. Jetzt nennen wir die unheimliche Stille beim Namen. Beinahe panisch springen wir in unser Fahrzeug, verriegeln die Türen und nehmen Fahrt auf.

Gerade als wir über unser Verhalten wieder lachen können, erkennen wir etwas Beunruhigendes direkt vor uns. Bagger, Baustellenfahrzeuge und Walzen. Eine Sperrung. Die gelben Helme von Bauarbeitern. Immerhin soll aus der Geröllaufschüttung wohl tatsächlich einmal eine richtige Straße werden. Ziemlich blöd nur, dass vor uns ein Loch ist. Und dass es bereits kurz nach 18 Uhr ist. Und dass das, was einmal eine Straße werden soll, hier gesperrt ist. Gaaah! 200 Meter vor dem Loch halten wir an. Steigen aus und zünden uns eine Zigarette an. Nehmen Kontakt mit dem schwedischen Bauarbeiter auf. In astreinem Englisch erklärt er uns die Situation. Er kann uns beruhigen. Zehn Minuten sollen wir warten, dann können wir hier einfach weiterfahren. Gut, er kann uns nicht wirklich beruhigen. Denn das sieht einfach unglaubwürdig aus. Da ist ein Loch! Und das ist nicht gerade klein. Straße weg. Fein. Da käme ein Geländefahrzeug mit Allradantrieb durch. Wir haben einen etwas klapprigen, vollbeladenen Kleinwagen mit uns. Dies alles steht uns wohl ins Gesicht geschrieben. Sichtlich amüsiert wechselt der Schwede das Thema, fragt uns nach unserer Reise und erzählt ein wenig vom Hochseeangeln in Norwegen. Dann geht er zu seinen Kollegen, die interessiert ihre Arbeit unterbrochen haben und uns neugierig beäugen. Nach ein paar Worten wirken auch sie stark erheitert. Wir haben das Gefühl, das Gespräch am Abendbrottisch dieser Männer zu werden. Warum? Ich habe keinerlei Vorstellung. Dann gehen sie aber doch wieder ans Werk. Die zehn Minuten dauern eine halbe Stunde. In dieser Zeit wird aus dem Loch tatsächlich eine Vorstufe zur Straße, was Passierbarkeit für uns bedeutet. Wir sind gelinde erstaunt. Zum Abschluss hakt der Baggerführer eine Schaufelzacke in die Kette der Walze ein, schwenkt das tonnenschwere Baufahrzeug quer über die Köpfe seiner Kollegen und parkt sie am Waldrand. Fasziniert und entsetzt zugleich stehen uns die Münder offen. Riskante Verfahrensweise, sehr riskant. Der freundliche Hochseeangler macht uns Mut, die Vorstufe zur Straße würde nur noch kurz andauern und dann in eine geteerte übergehen. Der Arbeiterbus rollt von der anderen Seite heran, bereit, die Männer nach Hause zu bringen. Wir danken, winken und fahren vorsichtig über das gefüllte Loch. Der Gegenverkehr steht auch schon parat.

Man hat uns gerade eine Straße gebaut. Cool.

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