Ich fahre auf die A9 Richtung Berlin auf und trete mein Gaspedal durch. Auf dem kommenden Teilstück kann man nämlich so richtig schön Speed geben, der Verkehr hält sich in Grenzen, die Strecke ist dreispurig und ziemlich gerade. Das macht Spaß! Mein Tachometer zeigt 190 km/h an, als beim Pkw vor mir die Bremslichter aufleuchten. Die Straßenmeisterei hat eine Geschwindigkeitsbeschränkung aufgestellt, auf dem mir eine 100 entgegen leuchtet. Ausrollen lassen bringt nichts, ich bin zu schnell und bremse ebenfalls ab.
Der harte Winter hat die Spurenlinien vernichtet, daher hat man hier Sicherheitsmaßnahmen eingeleitet. Durchaus sinnig. Wer die Strecke nicht kennt, weiß nicht, ob die Autobahn hier zwei- oder dreispurig ist. Und ohne Kennzeichnung fährt man da schon einmal ziemlich wüst durcheinander. Überholende zischen nur wenige Zentimeter an den Seitenspiegeln der anderen vorbei und Kurven werden sehr ungenau ausgefahren. Eigentlich erstaunlich, wie schnell man ziemlich hilflos wird, wenn keine Linienführung mehr vorhanden ist. Ich habe das einmal bei einem frisch asphaltierten Autobahn-Teilstück erlebt, bei dem man scheinbar weder die Zeit für Geschwindigkeitsbegrenzungsschilder, noch für die Spurung gefunden hatte. Die Straße war leer vor mir, abgesehen von einem Kombi. Der dachte wohl, mit der Mitte könne er nichts falsch machen. Allerdings war die Strecke recht eng gehalten, ergo für zwei Spuren ausgerichtet. Und er fuhr rasante 80 km/h. Aaaarhg! Ich mutierte zum HB-Männchen und tobte auf meinem Sitz hin und her, während mich meine beiden Mitfahrer vergeblich zu beruhigen versuchten. Da schießt mir das Blut einfach in den Kopf. Logischerweise hält man sich in so einer Situation doch möglichst rechts. Schließlich sind die Leitplanken ein ziemlich guter Linienersatz. Ja, nee! Mitdenken nicht für ein Cent! Die goldende Mitte! Aaargh! Und dann war das auch noch so ein Damel, der seine Spiegel komplett ignoriert. Ansonsten hätte er mein wütendes Wesen bereits im entdeckt und Platz gemacht. Oder er gehörte zu der Sorte, die irgendeine Art von Befriedigung daraus ziehen, ihren Mitmenschen gehörig auf den Zeiger zu gehen. In solchen Momenten würde ich zu gerne das tun, was als Nötigung im Straßenverkehr strafbar ist. Das tue ich aber nicht, weil ich zum einen meine Punkteliste gerne bei Null belassen will und zum anderen weil ich manchmal einfach ein zu netter Mensch bin. Letzteres hätte mir der Kombifahrer zwar sicher nicht bestätigt, hätte er einen Blick in den Rückspiegel gewagt, aber das tat er ja geflissentlich nicht. Aaargh!
Ich fuhr also mein Fullspeed-Teilstück der A9 brav mit 110 km/h bis zu meiner Abfahrt. Später auf dem Rückweg hatte ich dann eine Fragezeichen-Erkenntnis. Es handelte sich um exakt die gleiche Strecke, bis auf die Tatsache, dass ich die Autobahn nun Richtung München fuhr. Auch auf dem Gegenstück hatte der Frost die Linienführung weitestgehend getilgt, daher hat man hier Sicherheitsmaßnahmen eingeleitet. Die Geschwindigkeitsbegrenzung lag bei 130 km/h. Bing! Fragezeichenalarm! Wieso darf man Richtung Berlin nur 100 km/h fahren, Richtung München aber 30 km/h mehr? Straßenschäden sind in beiden Richtungen nicht vorhanden. Gleiche Strecke! Verstehe ich nicht. T'schuldigung, das verstehe ich wirklich nicht! Gibt es da Studien über die psychischen Auswirkungen auf den Orientierungssinn, in welche Himmelsrichtung man sich bewegt? Ich verstehe es einfach nicht!










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